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Die Musikhochschule, ein religiöses System?

Musikinstitute
Herausgegeben von in Musikinstitut ·
Tags: MusikhochschulereligiösesSystem



Zwei Dinge bedarf es zum Musizieren: Technik und Musikalität. Was von beiden ist wichtiger?  Richtig! Die Technik, Technik und Technik.  Deswegen wird es auch endlich Zeit, Musikhochschulen umzubenennen in „technische Hochschule zur Bedienung eines Instrumentes oder der Stimmbänder“.

Edvard Grieg hat in Leipzig studiert und nichts von der "Hochschule" gehalten. Maurice Ravel wurde aus der Klavierklasse geschmissen. Claude Debussy hat nicht den 1. Preis in Rom gewonnen, sondern ein "Niemand".

An einer heutigen Musikhochschule wird 100 % Perfektion angestrebt, dabei bleibt der musikalische Spannungsbogen und der Ausdruck leider auf der Strecke. Fehler lassen sich auch einfacher bewerten als Musikalität. Einzelne Stellen werden so lange geübt, bis das Stück in seinem Zusammenhalt völlig zerfallen ist und im Vorspiel und Konzert nur noch gähnende Langweile aufkommt. Ich habe praktisch keinen Dozenten oder Professor erlebt, der seine Ansprüche an seine Studenten in Konzerten selber erfüllen konnte. Was ich teilweise erlebt habe ist Neid, Missgunst und Lehrende, die angefüllt waren mit Minderwertigkeitskomplexen, d. h. sobald ein Student etwas besser konnte als der Dozent, wurde der Student fertig gemacht bis hin zu Traumatisierung. Narzisstisch besetzt trifft leider auf einige Lehrer an den Musikhochschulen zu. Was das mit Pädagogik zu tun hat? Leider gar nichts. Es ist ein Hauen und Stechen.

Es ist ein religiöses System, in dem eine perfekte Technik über alles gestellt wird – eben angebetet! Alles andere wie Menschlichkeit oder Musikalität ist unwichtig. Nicht wenige Studenten kommen traumatisiert aus diesem System und scheitern am Leben – oder auch schlimm: Geben auch Unterricht nach diesem religiösem System. Über Leichen gehen; Ignoranz und Arroganz gehören ja schließlich zum guten Ton – nicht nur an Musikhochschulen.

Aber zum Glück gab es auch Ausnahmen. Dozenten und Professoren, die dieses Spiel nicht mitgemacht haben – die menschlich geblieben sind, die keine Angst vor Schülern hatte, die in einem Punkt besser waren als sie selber, sondern einfach stolz auf ihre Schüler. Diesen Menschen gilt mein ganzer Dank.

Aus dem Grunde ist für mich Menschlichkeit und Musikalität wichtiger, deswegen kommt es halt einfach vor, dass meine Schüler nicht ganz perfekt spielen, aber das war vor über hundert Jahren auch noch üblich, da wurde erst die Musik gelehrt, dann die Technik aus einem Selbstzweck heraus.

Stellen Sie vor, Ihr Kind spricht die ersten zwei Worte. Niemand würde dem Kind falsche Grammatik und Aussprache oder fehlende Wörter vorwerfen – jeder jubelt! Doch im heutigen Instrumentalunterricht muss gleich das erste Stück perfekt sein, vorher geht es nicht weiter! Komisch, oder?

Und nun überzeugen sie sich selber: Eine Moszkowski-Etüde mit etwa 20 fehlenden oder falschen Noten (so genau weiß ich es auch nicht ...) – und doch keiner hört es. Klicken Sie im obigen Video auf Play. Übrigens – ich habe das Video bewusst im Retro-Stil produzieren lassen.

Hier noch ein paar andere "seriöse" Einspielungen von anderen Pianisten bei gleicher Spielgeschwindigkeit:
           http://www.youtube.com/watch?v=6g8VkDEainM
           http://www.youtube.com/watch?v=rHsl-eNBKIE

und langsamer:
           http://www.youtube.com/watch?v=uVfgUay_wQs




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